Von Körshavn nach Lohals

Von Korshavn nach Lohals

Landschaft bei Kørshavn
Landschaft bei Kørshavn
 
Kleiner und großer Belt treffen sich hier
Kleiner und großer Belt treffen sich hier

Sonnenuntergang in der Bucht von Kørshavn
Sonnenuntergang in der Bucht von Kørshavn
 

Die Kartoffelrose von Korshavn

Weite Abschnitte der Strände sind mit rot und weiß blühenden buschartigen Pflanzen bewachsen. Sie sind so dicht, dass kein durchkommen ist. So weit das Auge reicht. Selbst die Sanddünen verschwinden unter dem Gewächs. Die Pflanze ist die Kartoffelrose, die im gesamten Ost- und Nordseebereich zu finden ist. Sie wächst auf Dünen, an Stränden, auf ehemaligen Feldern und Wiesen, an Waldrändern und so weit an das Ufer heran, wie es nur geht. Sie verträgt Trockenheit, Salz, nährstoff-freie Böden. Sie ist die ideale Pflanze für Trennstreifen auf Autobahnen. Und sie gehört zu unserem Bild von Nord- und Ostsee wie sonst kaum eine Pflanze.

Noch vor 50 Jahren war sie bei uns völlig unbekannt. Die Kartoffelrose ist - zunächst unfreiwillig - mit Schiffen aus dem asiatischen Raum eingewandert. Schnell wurde sie hier auch kultiviert. Sie wächst schnell und ist resistent. Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sie sich im gesamten Ostseeraum ausgebreitet. Dort verdrängt sie die angestammte Vegetation zunehmends. Wo die Kartoffelrose wächst, wächst bald sonst nichts mehr. Abmähen und abbrennen reichen nicht aus. Um die unterirdischen Triebe loszuwerden, muss der Boden bis zu einem Meter abgetragen und von allen Trieben gereinigt werden. Mittlerweile gibt es umfangreiche Versuche die Kartoffelrose zurückzudrängen. Erwerb und Pflanzen der Kartoffelrose sind in Dänemark deshalb verboten.

Wir stehen vor einem Meer aus blühenden Kartoffelrosen, im Hintergrund die Ostsee. Eindringling hin oder her: Schön sieht´s in jedem Fall aus

Vom kleinen in den großen Belt

Der nächste Morgen, es weht ein zarter Wind mit gerade einmal 6 Knoten aus Nordwest. Wir brechen früh auf, da für diesen Tag keine wesentliche Windänderung zu erwarten ist. Kurz nach dem Auslaufen aus der Bucht von Kørshavn setzen wir Groß, Besan und Gennaker und sind kurz darauf mit fast 200 qm Segelfläche Richtung Osten unterwegs. Es reicht für knapp 5 kn Fahrt. Das Meer ist fast brettflach. An der Nordspitze Fünens treffen wir auf ein kurioses Phänomen: Durch den Starkwind der vergangen Tage strömt das Wasser im kleinen Belt von Süd nach Nord, während es im großen Belt von Nord nach Süd strömt. Nördlich Fünens treffen beide Strömungen aufeinander. Es entsteht eine messerscharfe Trennungslinie, an der beide Wasserströmungen aufeinandertreffen. Dies geschieht nicht lautlos, sondern ist von einem Rauschen und Gurgeln begleitet, das aus dem nichts zu kommen scheint. So als habe sich die alte Wikingergöttin Ran aus den Wassermassen erhoben, um die Ostsee gleich in zwei Hälften zu spalten. Als wir die Trennungslinie unter Segeln passieren, halten wir kurz die Luft an: Wird es uns in die Tiefe ziehen? Aus dem Kurs werfen? Wird uns Ran holen?
Nichts davon geschieht. Nahezu unmerklich wechseln wir vom kleinen. In den großen Belt und setzen unser Frühstück fort.

 

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Die Brücke über den großen Belt

Die Storebæltsbroen zählt zu den großen Hängebrücken der Welt. Sie verbindet die Inseln Fünen und Seeland und ist Teil der Straßenverbindung von Schweden bis weiter nach Deutschland. Schon von weitem ist die große Beltbrücke zu sehen: 1.6 Kilometer lang und über 200 Meter hoch. Für uns taucht die Brücke kurz nachdem wir vom kleinen in den großen Belt gefahren sind auf. Obwohl noch über 25 km entfernt, ist sie am Horizont schon gut zu erkennen: Eine der wichtigsten skandinavischen Verkehrsadern, die sicher stellt, dass der Verkehr von Stockholm bis Hamburg ohne Fähre fließen kann. Die Dänen wissen dieses wichtige Bauwerk zu schützen: Bereits viele Seemeilen vor der Passage muss sich jedes Wasserfahrzeug per Funk bei „Belt Traffic“ anmelden und die Passage ankündigen. Je nach Größe und Höhe des Fahrzeuges wird eine Passageoption mitgeteilt. Wir zählen mit knapp 20 Meter Durchfahrthöhe zu den größeren Fahrzeugen. In jedem Fall zu hoch für die zahlreichen „kleinen“ Brückenbögen von Fünen bis Sprogö. Für uns ist die Durchfahrt westlich des großen Hauptpylons vorgesehen.
Bei wenig Wind dauert es fast drei Stunden, bis wir die Brücke tatsächlich erreichen. Backbord geht die Großschiffahrt durch, Frachtschiffe, oft über 200 Meter lang, 40 Meter breit und über 50 Meter hoch, ziehen diese schwimmenden Städte an uns vorüber, gespickt mit hunderten chinesischen Containern. Über dem Belt ist die Luft nicht klar und blau wie sonst so oft in Dänemark: Gelbliche Abgasschlieren zieren den Himmel.

Von Sprogø nach Lohals

Mit der Beltbrücke passieren wie die Insel Sprogø. Sie trägt einen der Stützpfeiler der Brücke. Auf der Insel befand sich von 1922 bis 1961 eine der kellerschen Anstalten für sogenannte „unangepasste Mädchen“. Primärer Zweck dieser Einrichtung war die Umsetzung eines aus heutiger Sicht unethischen Eugenik-Programms, zu der auch Zwangssterilisationen entmündigter junger Frauen gehörten, die z. B. durch einen im sexuellen Bereich nicht den gesellschaftlichen Erwartungen entsprechenden Lebenswandel aufgefallen waren. Die Geschehnisse dort sind ein zentrales Thema in dem Kriminalroman Verachtung von Jussi Adler-Olsen. Auf seiner Website findet sich unter http://www.adler-olsen.de/Dossier_Sprogo.pdf ein lesenswerter Artikel dazu. Heute liegt die mittlerweile unbewohnte Insel mit den verlassenen Gebäuden unschuldig an Steuerbord. Die Insel wurde in Deutschland in einem ganz anderen Zusammenhang bekannt: Sie erhielt hier den Spitznamen „Egon-Olsen-Insel“, weil der dänischen Schauspieler Ove Sprogøe in der Serie „die Olsen-Bande“ den gleichnamigen Charakter verkörperte.
Wir lassen Brücke und Insel Achteraus. Rund 8 Seemeilen voraus ist bereits die Norspitze der Insel Langelang in Sicht - dort befindet sich das Inselstädtchen Lohals, unser heutiges Ziel.

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